Prüfungsbegleitung

Prüfungen des Jahresabschlusses durch Wirtschaftsprüfer erscheinen vielen als notwendiges Übel. Meist unterzieht man sich ihnen im stillen Groll, entweder weil dies der Gesetzgeber nun mal so vorschreibt oder sich ein Kapitalgeber der Sicherheit seiner Beteiligung vergewissern möchte.

Als Wirtschaftsprüfer bin ich seit zwei Jahrzehnten mit gesetzlichen und „freiwilligen“ Jahresabschlussprüfungen intensiv vertraut. Auf freudige Begeisterung in den geprüften Unternehmen bin ich selten gestoßen (das liegt wohl in der Natur der Sache), aber mir fällt auf, dass diese Prüfungen zunehmend durch neue Irritationen belastet werden:

Neue Irritationen bei Jahresabschlussprüfungen

Erstens: Honorarnachforderungen
Die anhaltend schlechte Wirtschaftslage hat zu einem harten Wettbewerb zwischen den Wirtschaftsprüfungsgesellschaften geführt. Dieser leistet der Unsitte Vorschub, sich erst durch ein niedriges Angebot den Prüfungsauftrag zu sichern, um nach Auftragserteilung plötzlich einen „besonderen Mehraufwand“ zu entdecken, der dann angeblich nur in vielen zusätzlich zu bezahlenden Stunden zu gar nicht mehr moderaten Sätzen zu bewältigen sei. Da es nach Beauftragung des Wirtschaftsprüfers sehr schwer ist, den Prüfer nochmals zu wechseln und man eine zusätzliche Belastung der Atmosphäre zu meiden trachtet, werden solche Nachforderungen meist zähneknirschend akzeptiert.

Zweitens: Unsensible Formulierungen im Prüfungsbericht
Seit Basel-II lesen Kreditgeber Prüfungsberichte viel kritischer. Gleichzeitig werden Sie jedoch mit immer größerer Wahrscheinlichkeit auf einen Prüfer treffen, der die Auswirkung unglücklich gewählter Formulierungen im Prüfungsbericht bei Banken oder Aktionären schlichtweg ignoriert oder billigend in Kauf nimmt, hat er doch in seinem Berufsleben noch nie auf Ihrer -der Unternehmerseite- des Tisches gesessen. Dabei können, wie bei Arbeitszeugnissen, selbst harmlos oder wohlwollend klingende Formulierungen das Standing und Ranking Ihres Unternehmens nachhaltig schädigen.

Drittens: Restriktive Auslegung von Wahlrechten
HGB- und IFRS-Standards sehen die Ausübung von Wahlrechten in der Bilanzierung ausdrücklich vor. Pflichtet Ihnen der Wirtschaftsprüfer bei der Auswahl eines in Anspruch genommenen Wahlrechtes bei, bedeutet dies jedoch, dass er zu einem späteren Zeitpunkt seine Zustimmung gegenüber einem Vorgesetzten oder einem Kritiker des Abschlusses gegebenenfalls zu begründen hätte. Diese Mühe und das subjektiv empfundene Risiko, zur eigenen Entscheidung stehen zu müssen, wird von Prüfern zunehmend gescheut, und zwar zu Lasten der Unternehmen, die statt dessen zu unnötig konservativen Wertansätzen genötigt werden. Häufig ist dies sogar mit zeit- und kostenaufwendigen Umgruppierungen der Bilanzpositionen (siehe Punkt 1) verbunden.

Viertens: Zunehmendes Informationsgefälle zum Nachteil des Unternehmens

Testierte Jahresabschlüsse werden immer häufiger in Frage gestellt, Prüfungsskandale (FlowTex, Enron, Bankgesellschaften) führten zu scharfen Auflagen der Versicherer und einer Welle von neuen Gesetzen. Konnte noch vor fünf Jahren ein Wirtschaftsprüfer in eigener Verantwortung seine Prüfung planen und dokumentieren, hat er heute für jeden Prüfungsschritt Dutzende von Regeln und „Prüfungsstandards“ zu berücksichtigen; lässt er sie außer Acht, gefährdet er seinen Versicherungsschutz. Allerdings sind sehr viele Regeln weit gefasst und ihre Auslegung in das Ermessen der Prüfer gestellt.

Durch diesen ausgeweiteten Ermessensspielraum fühlen sich jedoch viele Wirtschaftsprüfer überfordert und bevorzugen den Weg des geringsten Widerstandes: Das Risiko, sich gegebenenfalls für eine bestimmte Entscheidung rechtfertigen zu müssen, wird zu Ihren Lasten minimiert, indem die denkbar konservativste Auslegung Anwendung findet. Dem Unternehmen gegenüber verschanzt sich der Prüfer hinter seinen Regelwerken; ein „Kann“ wird als ein „Muss“ dargestellt und dem Unternehmen Prüfungshandlungen aufgenötigt, die das Prinzip der Wesentlichkeit ad absurdum führen.

Die immer komplexeren Regelwerke der Wirtschaftsprüfer sind jedoch außerhalb der Branche nahezu unbekannt. Konnte früher bei Prüfungen noch über das beiden Seiten bekannte HGB debattiert werden, sieht sich heute ein Unternehmen mit Regelungen und „Prüfungsstandards“ konfrontiert, die genauso wenig geläufig sind wie etwa lateinisches Kirchenrecht. Somit ist ein geprüftes Unternehmen den mitunter sehr fragwürdigen Interpretationen dieser Regeln durch den Prüfer wehrlos ausgeliefert.

Kommt Ihnen das bekannt vor?
Sollten Sie bisher keine dieser Irritationen erlitten haben, beglückwünsche ich Sie zur guten Auswahl Ihrer bisherigen Wirtschaftsprüfer. Die von mir hier vorgestellte Dienstleistung wird von Ihnen nicht benötigt.

Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit zur Lektüre genommen haben.

Falls Sie sich jedoch betroffen fühlen, dann lesen Sie bitte weiter, um zu erfahren, wie Sie in Zukunft Waffengleichheit herstellen können.

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